Theater Basics: Wie geht man eigentlich ins Theater?

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Der 5 Schritte Fahrplan für einen gelungenen Theaterbesuch

Die Theaterferien sind so gut wie vorbei. Die neue Spielzeit steht in den Startlöchern. Und da dieser Blog für alle Theaterinteressierte gedacht ist, egal ob Profischauspielerin oder Hobbytheatergänger, beginnt dieser Blog mit unserem gemeinsamen Nenner: die Freude, ins Theater zu gehen. Einige von euch sind sicher total routiniert darin, aber andere weniger. Ich habe oft mit Nicht-Theater-Freund_innen darüber geredet, dass sie total gern mehr ins Theater gehen würden, aber sie oft nicht wissen, was läuft, wie man an günstigere Tickets kommt oder wie man sich in das gern elitäre Prozedere drum rum einfügt. Ich versuche hier alle Fragen, Tipps und Kniffe zu behandeln, um sämtliche Hemmschwellen, ins Theater zu gehen, auszumerzen. In diesem Monster Post gilt: Take what you need! Viel Spaß mit dem ultimativen 5 Schritte Fahrplan.

Schritt 1: Woher weiß man, was läuft?

Fast jede Stadt bietet andere Möglichkeiten, sich über das Kulturangebot zu informieren. Es gibt Printmedien, wie in Wien die Zeitung Der Falter, es gibt Kulturapps oder Websites wie in der Schweiz Ron Orp oder Kultur Züri, oder man klappert selbst online die Theaterspielpläne der Stadt ab. Man kann dafür bei Google einfach „Theater [Stadt]“ eingeben und sofort bekommt man eine Liste mit den erfassten Spielstätten der gesuchten Stadt. Sowohl die großen Stadt- und Staatstheater, aber auch freie und kleinere Bühnen werden aufgeführt.

Wenn man generell einen Überblick gewinnen möchte, was im deutschsprachigen Raum so abgeht, kann man gut auf nachtkritik.de gehen und unter dem Reiter „nachtkritiken – vorschau“ sehen, was die Redaktion so auf dem Schirm hat und vielleicht interessant sein kann.

Tipp: Folgt euren Lieblingstheatern, -gruppen und -künstler_innen auf Instagram und Facebook, um up-to-date zu bleiben, was es bald zu sehen gibt!

Schritt 2: Woher weiß man, was gut ist?

Eine extrem berechtigte aber auch leidige Frage. Das ist natürlich in erster Linie eine Sache des Geschmacks und den entwickelt man erst, wenn man häufiger ins Theater geht und die eigenen Erfahrungen mit den Stilen und Theaterformen gemacht hat. Wenn die Eventbeschreibung nicht reicht und man sich vor dem Theaterbesuch schon Meinungen einholen will, kann man das, in dem man Kritiken liest. Die gibt es in lokalen Zeitungen oder online auf Seiten wie nachtkritik.de oder regionalen Theaterkritikblogs wie neuewiener.at. Wenn ihr nach dem Stück online sucht, werdet ihr sicher fündig.

Tipp: Macht aus diesem Auswahlprozess keine zu große Wissenschaft. Es kann ganz tolle kleine unbekanntere Inszenierungen geben und total langweilige aber sehr empfohlene Shakespeare Geschichten an den großen Theatern. Probiert ein bisschen was aus und irgendwann wisst ihr, welche Stile, Stücke, Regisseur_innen oder auch Häuser gefallen und welche weniger.

Schritt 3: Wie bekommt man günstige Theatertickets?

Theatertickets können echt verdammt teuer sein. Das ist ein offen diskutiertes Problem in der Theaterszene, weil man so hauptsächlich nur gut verdienende Menschen in die Säle bekommt und dadurch das Publikum recht homogen bleibt. Die Tickets haben aber meist den Preis, den sie haben, weil Theater zu produzieren teuer ist. Es ist ein ewiger Kampf für viele Theatermachende, von der Stadt oder dem Land so viel Unterstützung zu bekommen, dass die Preise klein bleiben können und trotzdem alle Gehälter, alles Material usw. gedeckt ist. Also bevor ihr euch wundert oder gar aufregt über „zu hohe“ Preise, bedenkt, dass ihr damit die Menschen bezahlt, die über Jahre und Jahrzehnte ihre Körper trainieren, um auf der Bühne so zu performen, dass ihr Freude dran habt. Dass Menschen mehrere Nächte durchgemacht, sich Köpfe zerbrochen, viele Texte gelesen und gelernt, Millionen E-Mails geschrieben, geschwitzt, geschraubt und gehämmert haben, um dieses Theater zu produzieren, dass ihr euch an einem Abend ansehen könnt. Hier sind trotzdem ein paar Tipps, wie ihr vielleicht günstiger einen Theaterabend erleben könnt:

  1. Checkt eure Altersgruppe. Viele Theater bieten günstigere Karten für bestimmte Altersgruppen (Kinder und Jugendliche, bis 30, ü65 etc.) an.
  2. Checkt euren Status. Seid ihr Studierende oder Pensionist_innen/Renter_innen? Habt ihr entsprechende Ausweise? Oft bekommen solche und auch Menschen mit Schwerbehindertenausweisen Ermäßigungen.
  3. Restkarten. Informiert euch, ob das gewählte Theater Restkarten günstiger verkauft. Es gibt manchmal unlaute Abkommen wie: ab 30min vor der Vorstellung – Tickets für 10€ oder 5min vor der Vorstellung – Tickets für 5 CHF. Aber auch nur für bestimmte Gruppen, wie Studierende, nur Kunststudierende oder Menschen bis zu einem bestimmten Alter.
  4. Kulturpass. Viele Städte haben mittlerweile Programme etabliert, die es Menschen mit besonderen Lebenssituationen oder geringem Einkommen ermöglichen, günstiger oder auch kostenlos Kulturangebote wahrzunehmen. Man muss sich entsprechend registrieren und bekommt einen Ausweis, wie z.B. die Kulturlegi in der Schweiz oder Hunger auf Kunst und Kultur in Österreich.
  5. Checkt eure Mitgliedskarten. Seid ihr Mitglied einer Buchhandlung, einer großen Supermarktkette, oder habt ein Konto bei einer Bank, die Kultur fördert? Dann schaut mal auf den Websites. Manchmal haben Kunden und Kundinnen Rabatt auf ein städtisches Theater oder sie bieten Gewinnspiele an. ( Beispiel-Website: Die Zürcher Kantoalbank… yeay Werbung für eine Bank)
  6. Schaut euch nach anderen Freikarten und Aktionen um. Folgt dafür den Theatern und Künstler_innen in den Social Media und checkt eure Kulturwebsites. Freikarten oder Aktionen werden meist nahe an den Veranstaltungstagen angeboten.
  7. Fragt Theatermenschen. Wenn ihr jemanden kennt, der/die am Theater arbeitet, oder Teil der Produktion ist, dann fragt die Person einfach, ob sie noch Frei- oder sogenannte Steuerkarten hat, oder jemanden kennt.

Tipp: Solltet ihr bei eurer Suche nach günstigen Tickets auf das Konzept der Abonnements treffen, oder kurz Abos, dann lest euch die Bedingungen gut durch. Diese Abos sind selten wirklich günstiger, binden einen aber an ganz bestimmte Aufführungen an ganz bestimmten Tagen. Wenn man spontan Lust hat, was zu sehen, hilft es nicht unbedingt, günstiger reinzukommen. Sollte das was sein, was genau zu euch passt, dann voilá!

Schritt 4: Get ready for the show!

Hier geht es um die paar Punkte, Tipps und Hinweise, die ihr wissen müsst, bevor ihr in den Theatersaal geht.

  1. Dresscode. Was soll man ins Theater anziehen? Sehr einfach zu beantworten: Es ist egal. Es gibt keinen Menschen, der es prüft und euch ggf. nicht rein lässt. Es ist eher eine Frage des sich Einfügens. Wenn ein Ticket im Parkett zwischen 100 und 200 EUR/CHF kostet, kann man davon ausgehen, dass einige sich in richtige Abendgarderobe schmeißen. Das heißt aber nicht, dass man das selbst auch muss. Dress how you feel! Egal ob Wiener Staatsoper oder Keller Performance, Hoodie oder High Heels. Sollte man unangenehme Blicke spüren, egal ob over- oder underdressed, embrace the rebel in you.
  2. Muss man das Stück vorher gelesen haben? Nein. Man kann. Und man erlebt die Inszenierung dann anders, weil man die Inszenierungsentscheidungen vielleicht besser entdeckt und die Interpretation der Künstler_innen nochmal auf einer anderen Ebene versteht. Aber idealerweise sollten die Abende so inszeniert sein, dass kein Selbststudium vorher von Nöten sein sollte. Meistens ist es sogar spannender, wenn man nichts darüber weiß und kennt.
  3. Was gehört in die Tasche? Tickets oder Bargeld, für die Tickets. Man sollte nicht davon ausgehen, dass es Kartenlesegeräte gibt. // Kleingeld für die Garderobe // Ermäßigungsausweise // Einen Snack und Wasser für die Pause, damit man nicht für eine 3 EUR Brezel 15min anstehen muss. // Ich hab gern noch Zettel und Stift dabei.
  4. Wann sollte man dort ankommen? Das kommt darauf an, inwiefern man im Besitz des Tickets ist. Ist das Ticket reserviert und noch nicht bezahlt? Dann ist es nicht blöd das bis 30min vor Vorstellungsbeginn an der Abendkasse erledigt zu haben, weil die Ticketreservierungen sonst oft verfallen und als Restkarten verkauft werden. Wenn man auf genau die aus ist oder man das Ticket schon hat, dann reicht es zwischen 30 – 5min vor Vorstellungsbeginn zu kommen.

Schritt 5: Dos & Don’ts während der Vorstellung

Do: Pünktlich sein! Die Türen werden gnadenlos geschlossen und man kommt entweder deutlich später, in der Pause oder gar nicht mehr rein.

Do: Garderobe abgeben. Ist schon gut.

Do: Wenn man beim Platznehmen sich in der Sitzreihe eng an schon Sitzenden vorbeibewegen muss, wendet das Gesicht zur sitzenden Person. Nicht den Po.

Do: Being lost in Pausen ist was, was ich jetzt schon häufiger gehört habe. In den Pausen blüht die abendliche Theatergesellschaft erst richtig auf. Aber was, wenn man damit nicht so viel anfangen kann? Wenn man keine Lust auf den Weißwein Spitzer oder auf den eloquenten Theater Smalltalk hat? Pausen gehen meist nur 20min. Die gehen schnell rum. Wenn man keine Bedürfnisse zu stillen hat, kann man einfach rausgehen an die frische Luft, im Shop stöbern nach Büchern oder Programmheften. Man kann sich die Foyers ansehen, wenn sie mit Bildern von vergangenen Produktionen oder Fotos des Ensembles dekoriert sind. In alten und großen Theaterhäusern wie dem Burgtheater kann man sogar auf richtige Entdeckungstour gehen und dieses Gebäude erkunden. Man kann Menschen beobachten, im Saal herumlaufen und sich auf andere Plätze kurz setzen in anderen Rängen oder den Bühnenarbeiter_innen beim Umbau zuschauen oder belauschen.

Do: Applaudieren! Yes! Ganz großes DO! Theater ist so besonders, weil die Kunst in dem Moment liegt, wenn alle Beteiligten im gleichen Raum zur gleichen Zeit sind. Dieser Moment kommt nie wieder und wird nie genauso reproduziert werden können. Solltet ihr also das Bedürfnis haben, den Spielenden mitzuteilen, dass ihr beeindruckt oder bewegt seid, then let them know in sogenanntem „Szenenapplaus“. Und natürlich am Ende. Es gibt für die Spielenden eine sogenannte Applausordnung, also quasi eine auch inszenierte Choreographie, wer sich wann mit wem verbeugt und sich seinen Applaus abholt. Es gehört also zum Stück und zum Abend dazu. Es ist sogar aus meiner Sicht einer der wichtigsten Momente des Theaters überhaupt, weil es der Moment ist, in dem ein direkter Austausch stattfindet zwischen den Spielenden und dem Publikum, den es im Kino zum Beispiel nicht gibt. Also seid Teil davon und klatscht, bis euch die Hände abfallen!

Do: Husten. Wenn ihr husten müsst, bitte hustet. Wartet nicht, auf den viertelstünden Hustenzug, auf den dann alle aufspringen.

Do/Don’t: Darf man abbrechen und früher gehen? Ich hab’s schon gemacht. Selten. Aber kam vor. Es waren dann immer sehr werktreu inszenierte Klassiker an großen Bühnen, die mir wirklich nichts gegeben haben, weil ich dann mehr Freude daran hatte, das Stück einfach zu lesen. Aber es ist natürlich ein Statement, das nicht unbemerkt bleibt. Wenn man sich entscheidet zu gehen, aus was für Gründen auch immer, dann wäre es nur rücksichtsvoll, es so dezent wie möglich zu machen. Vielleicht in einer Pause. Ich ermutige aber eher es durch zu ziehen! Man kann nie darüber wirklich sprechen und urteilen, wenn man es nicht ganz genossen oder ertragen hat. Und man weiß nie, was das Werk im Gesamten bei einem im Nachhinein auslöst. Manchmal ist das Unerträgliche auch beabsichtigt.

Don’t: Handy! Man kann das Gerät eigentlich bei der Garderobe mit abgeben. Man darf weder Fotos machen, noch das Display irgendwie zum Leuchten oder das Gerät gar zum Vibrieren oder Klingeln bringen.

Don’t: Darf man im Theater Fotos machen? Das Thema Fotos ist eine heikle Angelegenheit. Ich persönlich finde, dass das Theater sich mal locker machen soll und nicht so tun sollte, als seien Fotos von Bühnenbildern oder von Szenen Top Secret Files des Geheimdienstes. Wenn Leute so beeindruckt von dem sind, was sie sehen und es gern teilen wollen, ist das ja nicht schlecht für kommende Vorstellungen. Und es ist ja auch nicht so, dass man auf den Besuch verzichten kann, wenn man wackelige, rauschende Instagram Bilder von anderen gesehen hat. Das Erlebnis bleibt ja im Moment. Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass die Künstler_innen viel Energie und Zeit investiert haben, das Wahrzunehmende zu inszenieren. Es liegen Entscheidungen dahinter. Einfach so Fotos oder gar Videos zu posten, ohne dass man weiß, ob die Künstler_innen damit cool sind oder nicht, ist nicht sehr umsichtig. Zumal das Displaylicht einfach im Theatersaal hart nervt. So just don’t do it, and enjoy the show!

Tipp: Wenn ihr aber von eurem Theaterbesuch mit Bild berichten wollt, dann geht doch auf die Social Media Seiten der Theater und sucht euch ein schönes Bild der Inszenierung aus, das offiziell für die Bewerbung genutzt wird, und verlinkt es mit eurer Story oder Post. So schafft ihr einen gut getroffenen Eindruck und wahrscheinlich eine sinnvoller hergestellte Verbindung zur Inszenierung, als mit Handybildern.

Ich hoffe, diese Tipps sind hilfreich. Lasst es mich wissen. Ich freu mich über Feedback.

Now it’s up to you! Checkt die Spielpläne und habt einen tollen Start ins neue Theaterjahr! Es gibt wieder viel zu sehen. Und hier bald wieder was Neues zu lesen! Stay tuned! Cheers

Laura

Verwendung des Wortes „Theater“ in diesem Blogpost: 47

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