Wie man Theaterregisseur/in wird

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IMG_3882_neu… das ist ein ganz schön unpassender Blogtitel. Er suggeriert, dass es einen genormten Weg gibt, den ich hiermit präsentieren will. Die Theaterszene tut auch gern so, als gebe es nur einen Weg. Aber den gibt es tatsächlich nicht. Alle auf dem Weg der Theaterregie haben eine eigene Geschichte. Es gibt konventionellere und unkonventionellere Wege.

All diese Wege und all die vielen Verständnisse, was „TheaterregisseurIn sein“ bedeutet, macht das Thema und den Beruf ziemlich vielseitig und unbedingt erzählenswert. Fragen wie „Was ist Theaterregie?“, „Wie wird man TheaterregisseurIn?“, „Was sind die Aufgaben der Theaterregie?“ sind daher einfach nicht eindeutig zu beantworten. Alle Theatermachende haben dazu eine eigene Perspektive.

Hiermit beginne ich von meiner zu erzählen. Um die Frage des Titels „Wie man TheaterregisseurIn wird“ zu beantworten, geh ich nur kurz auf mögliche Lebensläufe ein. Dazu gibt es auch nicht viel zu erzählen: Es gibt ungefähr vier gängige Modelle. Aber andere sind auch möglich.

  1. Über ein Regie Studium an einer Theaterakademie
  2. Über ein Schauspiel Studium an einer Theaterakademie
  3. Über ein Studium in einem angrenzenden Feld (z.B. Theaterwissenschaft, Theaterpädagogik, Film, Literaturwissenschaft, Philosophie etc.)
  4. Über Regieassistenzen

Ich bin ein Hybrid aus Punkt 4, 3, 1 – in dieser Reihenfolge. An dieser Stelle ist vielleicht zu erwähnen, dass leider keiner der 4 Punkte grundsätzlich einen einfachen Zugang hat. Eine Regieassistenz bekommt man meistens erst dann, wenn man sich auf irgendeine Weise bereits als besonders organisiert, stressresistent und Theaterproben-routiniert erwiesen hat. Für Punkt 3 braucht man an einigen Unis schon Aufnahmeprüfungen oder einen guten NC. Aber nicht an allen. Ein Studium in einem angrenzenden Feld ist daher wohl der einfachste Zugang, der aber auch mit dem meisten Durchhaltevermögen verbunden ist. Punkt 2 und 1 haben den schwersten Zugang. Die Aufnahmeprüfungen sind lang und hart. Manchmal niederschmetternd. Für Schauspiel werden pro Akademie im Durchschnitt vielleicht 10 angenommen. Für Regie im Durchschnitt vielleicht 3.  Bei oft über 100 BewerberInnen. Vielleicht sogar über 200 oder 300? Je nach Akademie. Die Wahrscheinlichkeit für Regie angenommen zu werden liegt daher nach meiner Rechnung nur bei 1 – 5%.

Aber egal welchen Weg man einschlägt oder sich neu schafft, ob und wie man es wird, ist eher eine innere Einstellungssache. Was ich daher hier also präsentieren werde, sind meine Leitfragen, meine Einstellungen und meine Erfahrungen aus 6 Jahren Theaterarbeit:

  1. Ist der Beruf was für mich? Man wird es, wenn man es will. Man weiß, ob man es will, wenn man es macht. Da führt kein Weg dran vorbei. Hospitanzen, Regieassistenzen, kleine oder große eigene Inszenierungen in der freien Szene. Man muss es einfach ein paar mal erlebt und idealerweise selbst ausprobiert haben, um zu wissen, ob der Beruf wirklich was für einen ist.
  2. Habe ich genügend Motivation? Man braucht 100% Eigeninitiative, Durchhaltevermögen & Motivation. Theater ist eine Kunstform. Doch im Gegensatz zu anderen Kunstformen, wie Musik oder Malerei, sind die Mittel, um Theater zu machen etwas sperriger. Man kann nicht einfach aufwachen mit einer neuen Idee und direkt loslegen. Man muss  erst Menschen, die mitmachen, einen Raum, finanzielle Mittel, Technik etc. organisieren oder sich um ein Engagement an einem Theater bemühen. Bis tatsächlich der fun part beginnt, nämlich die Proben, liegen meist mehrere Monate zäher Organisation und  nerviger manchmal zerschmetternder Rückschläge dazwischen. Lust, Motivation und Eigeninitiative sind daher aus meiner Sicht essentiell, um sich nicht unterkriegen zu lassen!
  3. Wie stehe ich zu Menschen? Man braucht Empathie & Kommunikationsfähigkeiten. Theater ist ein hoch soziales Unterfangen. Nicht nur, dass man mit vielen unterschiedlichen KünstlerInnen ein gemeinsames Theaterwerk schafft und dort viele Meinungen, Ideen und Persönlichkeiten aufeinander treffen, die zu harmonisieren sind, man erzählt auch noch Geschichten von Menschen mit Meinungen, Ideen und Persönlichkeiten, die einem Publikum zu vermitteln sind. Sich in andere Menschen hineinzuversetzen, in der Lage zu sein, auf sie einzugehen, seien sie fiktiv oder real, ist mir persönlich ein wichtiges Anliegen in der Regiearbeit.
  4. Wie sehe ich die Rolle und Funktion der Regie? Es gibt einen breit gefächerten Meinungskatalog, in welchem Verhältnis der/die Regisseur/in zu den Schauspielenden zu stehen hat. Vom old school cholerischen Regisseur bis hin zur Meinung, dass die Rolle der Regie obsolet sei, gibt es noch viele andere Meinungen. Meine ist, dass sowohl reines Regietheater als auch reine Kollektivarbeit seine Grenzen hat und niemals das gesamte Potential aus einer Theaterarbeit herausholen kann. Der Blick von Außen und ein einheitlicher ästhetischer roter Faden ist genauso wichtig, wie die Zusammenarbeit auf einer Ebene. Ich finde, als Regie ist man das Ensemblemitglied, das nicht mitspielt. Denn je mehr man mit den teilhabenden KünstlerInnen zusammenarbeitet, desto mehr inspiriert man sich gegenseitig, desto mehr werden die einzelnen künstlerischen Qualitäten geschöpft, desto gehaltvoller wird das Endergebnis. Für mich geht es auf der Probebühne nicht um Macht oder Egos, sondern um das zu schaffende Kunstwerk an sich.
  5. Was für Theater will ich machen? Die Theaterregie schafft Geschichten und Atmosphären durch die Komposition aus Texten, Körpern, Räumen, Zeiten, Situationen, Licht und Klängen. Everything is possible! Think outside the box! Create!

Fazit dieses Monologs: Theater lebt davon erlebt zu werden. Theater lebt von der Spielfreude. Theater lebt von, durch und mit Menschen.  Und als Regisseurin liebe ich es, Erlebnisse zu schaffen, Spielfreuden herzustellen und auszuleben und das alles mit, für und über Menschen. Mir helfen diese Fragen sehr auf dem Theaterregie-Weg. Vor allem sie mir immer wieder neu zu stellen und neu umzusetzen.

Theater sollte Spaß machen. Wenn es nicht Spaß macht, ist irgendeine Frage von da oben noch nicht geklärt.

 

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